Die Geschichte des Evangelischen Ausländerdienstes

01.10.2026
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Orientierung: M e.V. – wo liegen die Wurzeln?

Orientierung: M e.V. ist im Jahre 2016 aus der Fusion zweier Missionswerke entstanden: dem Evangelischen Ausländerdienst e.V. (EAD) und dem Orientdienst e.V. Hier werde ich auf den ersteren eingehen.

Der EAD, damals EAS, wurde als Verein 1960 gegründet. Begonnen hatte die Arbeit aber etwa schon zwei Jahre vorher: Der Start ist mit einer interessanten Geschichte verbunden:

Es war die Gastarbeiterzeit. Deutschland hatte 1955 mit Italien das erste Anwerbeabkommen geschlossen. Es folgten weitere mit Griechenland, Spanien, der Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem damaligen Jugoslawien.

An einem Abend schlenderten in Solingen ein paar Italiener an einem Zelt vorbei. Ah, ein Zirkuszelt! Das kam ihnen gerade gelegen. Bald stellten sie fest, dass in dem vermeintlichen Zirkuszelt eine christliche Abendveranstaltung stattfand: Die Deutsche Zeltmission (DZM) hielt eine Evangelisation in Solingen.

Neben einem Randprogramm wurde ein Vortrag gehalten. „Zufällig“ war ein deutscher Mann anwesend, der die Ansprache spontan simultan in Italienisch übersetzte.

Gott tat das Wunder: Einige der Männer kamen zum lebendigen Glauben. Jetzt kam die Frage auf: Woher bekommen wir italienische Bibeln für sie?

Nach langer Suche wurde man zwar fündig, doch entstanden weitere Fragen: Wie ist es künftig möglich, Bibeln in Fremdsprachen schnell und günstig zu erhalten? Und wie erreichen wir die vielen Gastarbeiter in Deutschland mit dem Evangelium?

Insbesondere Adolf B. Welter beschäftigten diese Fragen. Diese Menschen hatte Gott nicht umsonst hierhergebracht, davon war er überzeugt. Sie mussten das Wort Gottes, das Evangelium in ihrer Sprache bekommen. Es war, als wäre ein Funke übergesprungen: So bemühte er sich einerseits um Kontakte, wo er Bibeln beziehen konnte, andererseits war er in ganz Deutschland unterwegs, um Gemeinden zu besuchen und das dringende Anliegen der „Ausländer-Mission“ bekannt zu machen.

Aus diesem Engagement entstand 1960 der Evangelische Ausländerdienst Solingen (EAS) e.V.  Nun konnte der Verein Spenden sammeln und damit Bibeln kostenfrei anbieten. Später kamen evangelistische Schriften und Kalender dazu. Durch die unermüdliche Tätigkeit von Adolf Welter wurde das Werk zunehmend bekannter und viele Menschen wurden erreicht.

Die Kernaufgaben des EAD waren:

  • Die Zeitschrift ead-report Öffne dein Herz für den Fremden schrieb über unsere Arbeit, ermutigte durch Erfahrungsberichte und informierte über Dienste unter Ausländern in Deutschland.
  • Der Medienversand in über 100 Sprachen: Bibeln, Neue Testamente, Evangelien, evangelistische Literatur, Kalender, Kassetten, später CDs mit Liedern und/oder Vorträgen in verschiedenen Sprachen.
  • Die Öffentlichkeitsarbeit: Info- und Büchertische auf Seminaren und (Missions-) Veranstaltungen.
  • Der Ton- und Lichtbilddienst (ToLi) war ein Tontechnikdienst. Das Aufgabenspektrum reichte vom Aufnehmen und Vervielfältigen eines Vortrags über Einrichten von Dolmetscheranlagen bei Großveranstaltungen bis hin zur Mehrkamera-Live-Videoproduktion. Dabei fuhr unser 4,5 Tonner mit der ganzen Anlage auf Anfrage auch mal bis nach Ungarn.
    Die erstellten CDs mit Vorträgen und Liedern wurden über unser Medienangebot in den verschiedenen Sprachen vertrieben.
  • Saisampan, eine Arbeit unter Thailändern in Deutschland

„Bruder Welter war ja nicht nur um das Seelenheil der ausländischen Mitbürger besorgt, sondern er wollte ihnen auch in alltäglichen Situationen helfen. So hatte er erfahren, dass eine italienische Familie dringend ein Sofa brauchte. Als er eines ausfindig gemacht hatte, schickte er Irma und mich los, das Sofa abzuholen und an Ort und Stelle zu bringen. Aber natürlich nicht mit einem Transporter! Irma und ich zogen also zu Fuß mit dem Sofa durch Solingen - wir waren ja jung und groß und stark! So jedenfalls schätzte Bruder Welter uns ein - und offensichtlich bestätigte sich das.

Irgendwann bekamen wir arabische Neue Testamente sehr günstig, 1,- DM kosteten sie nur.  Irma und ich fuhren mit einer großen Stückzahl zum Bahnhof Ohligs und boten sie unseren arabischsprechenden Mitbürgern an. Sie schauten skeptisch und, wenn sie eine kleine Gruppe waren, lehnten sie glasklar ab. Aber dann kamen nach und nach einzelne aus den Gruppen zurück und nahmen dankbar ein Neues Testament als Geschenk an.

Einmalig war auch Bruder Welters Büro, besonders sein Schreibtisch. Auf ihm türmten sich die verschiedensten Unterlagen – und die Sekretärin, Frau Schreiner, durfte nicht einmal im Traum daran denken, Ordnung zu machen. Aber er fand immer alles, was er brauchte. Es schien so, als würde er mit geschlossenen Augen in diesen Wust hineingreifen können und sofort das Richtige in der Hand halten. Und der Staub wurde mit einem Blasebalg entfernt!

Muntere Zeiten waren es auch, wenn eine kleine Gruppe von ehrenamtlichen Helferinnen zusammensaß, um die Traktate zu bündeln.

Ich habe das Ehepaar Welter gekannt und geschätzt, ja, auch als Glaubensgeschwister geliebt mit dem Herz auf dem rechten Fleck, vorbildlichem Fleiß und mustergültiger Bescheidenheit.“

Umzug nach Dortmund

1977 übergab der Vorstand die kommissarische Geschäftsführung an Horst Eckhardt. Damit zog der Verein nach Dortmund um, in eine ehemalige Schule. Mieter war die „Christliche Kinder- und Jugendarbeit Dortmund e.V.“, die Horst Eckhardt ebenfalls leitete. Viele der Teens halfen mit, z.B. beim Versand der Freundesbriefe. Es waren vier Jahre der guten, hilfreichen, gesegneten Zusammenarbeit. Als die Jugendarbeit auszog, versuchte der EAS das Gebäude von der Stadt zu mieten. Zum einen gab es genügend Platz, zum anderen sollte ein weiterer Umzug vermieden werden. Aber die Stadt Dortmund als Vermieter gab vor, das Haus als Unterkunft für Asylanten nutzen zu wollen. Da konnten wir als „Ev. Ausländerdienst“ schlecht gegen angehen. So machten wir uns auf die nicht einfache Suche nach einer Alternative. Nach einigen Monaten wurden wir in Dortmund-Berghofen fündig. Ein ehemaliges Ladenlokal stand leer, der Vermieter war uns ausnehmend wohlgesonnen und wir konnten 1982 einen sehr günstigen, langfristigen Mietvertrag abschließen.

Es dauerte allerdings nicht lange, bis wir wieder mehr Platz benötigten. Schlussendlich hatten wir bei dem erneuten Umzug 2003 fünf Außenlager, da war der Arbeitsablauf äußerst beschwerlich sowie zeit- und kostenintensiv. Dank der sehr günstigen Mietbedingungen belasteten uns die Kosten aber nicht übermäßig. Die Mitarbeiter im Versand hatten allerdings sehr viel zu schleppen. Im Gebäude gab es keinen Aufzug, aus dem Keller musste alles hochgetragen werden. Auch die ankommenden Lieferungen wurden Paket um Paket ins Lager gebracht.

 

Perfekte Lagerräume

Bei einem lieben Glaubensbruder holten wir uns Rat, da er sich mit Gewerbeimmobilien auskannte. Einige Zeit, nachdem wir unser Anliegen vorgebracht hatten, berichtete er uns sinngemäß Folgendes: „Ich konnte eines Nachts nicht schlafen und dachte an die Predigt des letzten Sonntags. Der HERR erwartete von Petrus, dass er Ihm sein Boot zur Verfügung stellte. Und ich wusste: Jetzt ist mein >Boot< an der Reihe.“ Er baute daraufhin einen großen Bereich des schon fertigen Parkdecks eines Einkaufszentrums um, sodass ein großer Versand- und Lagerraum entstand. Die Arbeitserleichterung war enorm! Bibeln, Bücher und Kalender können seitdem mit dem Gabelstapler in die Regale verfrachtet werden, alles ist ein einem Ort beisammen. Und das ganze bis heute mietfrei. Gott und dem Bruder sei herzlich Dank!!!

Für die Büros konnte er uns zwar in einem anderen Gebäude, aber auf demselben Gelände, günstige Räume vermieten. Alles in allem ein riesengroßes Geschenk, welches er uns im Namen unseres gemeinsamen HERRN bis heute macht.

Wie viele Helfer, ehren- und hauptamtliche, Zivildienstleistende und Auszubildende haben in den Jahren ihren Dienst getan, ob im Versand, im Büro, im Verein oder im Vorstand. Es ist eine sehr große Zahl.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es auch Probleme gab: Finanzielle, zwischenmenschliche, technische. Aber Gott ist treu, der EAD und heute Orientierung: M sind Sein Werk. Allein aufgrund Seiner Gnade darf dieser Dienst an Migranten und Migrantinnen seit bald 70 Jahren getan werden. IHM sei alle Ehre.

Ulrich Freerksema war fast 50 Jahre beim Evangelischen Ausländerdienst tätig, davon fast 40 Jahre davon als Geschäftsführer.