
Das zweite bis fünfte Buch der Thora erzählt die Geschichte von Mose und den Israeliten. Er ist einer der großen Propheten, sowohl für Christen als auch für Muslime. In der gesamten Bibel wird der Name „Mose“ öfter erwähnt als der Name „Jesus“. Musa (arab. Mose) ist der, dessen Geschichte und Name am häufigsten im Koran erwähnt wird.
Geburt und Jugend
Mose lebte in einer Zeit, in der die Ägypter die Israeliten versklavten, doch davon lesen wir nur in der Thora (2. Mose 2,1-14). In beiden Büchern finden wir aber beschrieben, wie der Pharao die Söhne der Israeliten (das Volk von Moses) tötet (2. Mose 1,14-22 u. Sure 2,49; 7,127.141; 14,6; 28,4; 40,25).
Daraufhin hat die Mutter von Mose ihren Sohn versteckt (2. Mose 2,1-3a u. Sure 28,10). In einem Kasten wurde er in das Wasser gelegt (2. Mose 2,3 u. Sure 20,38-39 u. 28,7). Einmal wird Maria, die Mutter von Jesus, auch als die Schwester Aarons bezeichnet, obwohl die beiden einige Jahrhunderte voneinander getrennt lebten (Sure 19,27-28).
Moses Schwester schaut nach dem Kästchen (2. Mose 2,4 u. Sure 28,11) und sie ist dabei, als Mose gerettet wird (2. Mose 2,5-8 und Sure 20,40; 28,12). Dann steht im Koran, dass die Frau des Pharaos zu Gott betet und sich bekehrt (Sure 66,11).
In beiden Büchern wiederum gibt die Tochter des Pharaos den Sohn zurück an seine Mutter, damit sie ihn stillt (2. Mose 2,8-9 und Sure 20,40a; 28,13). Im Koran wird noch einmal erwähnt, dass die Leute des Pharao sich ihren eigenen Feind herangezogen haben (20,39; 26,18-19; 28,8) und ähnlich wird es auch in der Midrasch beschrieben (Exodus Rabba 1,31 (1,26)).
Mose wächst auf (2. Mose 2,10-11a und Sure 28,14), und als Erwachsener erschlägt er einen Mann; in der Bibel erfahren wir, dass es ein Ägypter war (2. Mose 2,11-15 und Sure 20,40; 28,15-19.21.33). Nach beiden Büchern flieht Mose, als er mit seiner Tat konfrontiert wird, doch nur im Koran bittet er Allah um Vergebung (Sure 29,16.21.33). Im Koran finden wir auch eine Ratssitzung, in der darüber gesprochen wird, Mose zu töten (Sure 28,20-21; 40,26-27).
Ehe und Begegnung mit Gott
Seine Frau findet Mose wiederum nach beiden Büchern am Brunnen (2. Mose 2,15-22 und Sure 28,22-26), doch laut Koran darf Mose erst eine der beiden Töchter heiraten, wenn er acht (oder vielleicht zehn) Jahre ihrem Vater gedient hat (Sure 28,26-28). Das entspricht der Geschichte von Jakob, als er für Laban 8 (7) Jahre arbeiten musste, und dafür mit Labans Tochter verheiratet wurde (1. Mose 29,18 ff).
Nicht im Koran finden wir die zeitliche Einordnung, dass der Pharao, der Mose hatte töten wollen, starb und Gott das Leid des Volkes Israel sieht (2. Mose 2,23-25).

In beiden Büchern trifft Mose auf einen brennenden Busch. Mose soll seine Schuhe ausziehen, denn er befindet sich auf heiligem Boden (2. Mose 3,1-5 und Sure 20,0-10; 27,7; 28,29; 20,11-13a; 27,8-9; 79,15-16). In der Bibel offenbart sich Gott als „Ich werde sein, der ich sein werde“ und „der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs“. Im Koran offenbart sich Gott als „Allah, der Herr der Menschen aller Welt“ (Sure 28,30) oder als „Allah, neben dem kein Gott existiert“ (Sure 20,13b-15).
Der Pharao
In der Thora und im Koran wird Mose zum Pharao gesandt (2. Mose 3,7-12 und Sure 14,5; 26,10-11; 79,15-19), und in der Thora wird Mose zwei Mal zu den Israeliten gesandt (2. Mose 3,16-22 und 2. Mose 6,2-9).
Die zwei Zeichen, der Stab, der zur Schlange wird, und die aussätzige Hand, beide finden wir sowohl im Koran als auch in der Bibel (2. Mose 4,1-9 und Sure 27,10-12; 28,31-32; 79,20). Dasselbe gilt für die Beschwerde von Mose. Weil er kein guter Redner ist (2. Mose 4,10-12 u. Sure 20,25-28; 26,12-14), setzt Gott Aaron zum Stellvertreter ein (2. Mose 4,13-17u. Sure 19,53; 20,29-36; 25,35; 26,12-13; 28,33-35) und ermutigt sie, trotz ihrer Zweifel und Furcht (2. Mose 6,10-13; Sure 7,103-105; 20,42-48).
In der Thora werden die Vorväter von Mose bis zu Adam aufgezeigt (2. Mose 6,14-30).
Der Koran beschreibt, wie der Pharao dem Mose den Vorwurf macht, undankbar zu sein, da er ihn ja aufgezogen hat (Sure 26,18-22), und wie der Pharao sich selbst als Gott darstellt (Sure 20,49; Sure 26,23-29; 28,38; 43,51-54; 79,23-24).
Mose steht nun vor dem Pharao, wirft seinen Stab hin und daraus wird eine echte Schlange (2. Mose 7,8-10 und Sure 7,104.106-108; 26,30-33; 43,46; 51,38). Im Koran finden wir an vielen Stellen die Reaktionen auf dieses Wunder. Er wird ausgelacht und ihm wird vorgeworfen, dass er Zauberei betreibt, ein Lügner und besessen ist (Sure 7,109-110; 10,76-78; 20,56-64; 23,47-48; 26,34-40; 28,36-37; 51,39).
Ähnlich ablehnend reagierten die Menschen auf den Anspruch Mohammeds, ein Prophet Gottes zu sein. In beiden Büchern ereignet sich nun ein Wettbewerb der Zauberer mit Mose vor dem Pharao, doch nur im Koran bekehren sich die Zauberer zu dem einen Gott (Sure 7,111-119; 10,79-82; 20,65-69; 26,36-45; 27,13-14), wofür ihnen vom Pharao die Hände und die Füße abgehackt werden (Sure 7,120-126; 20,70-72; 26,46-51; 43,48-51).
Im Koran finden wir die Situation, dass einer von den Leuten des Pharao den Mose in Schutz nimmt und die Menschen vor Gott warnt (Sure 40,28-35. 38-46). Im Koran betet Mose dann zum Schaden des Pharaos, dass das Herz des Pharaos hart wird und dass sein Geld verschwindet, und Gott erhört das Gebet von Mose (Sure 10,88-98). Von einer Verhärtung des Herzens erzählt auch die Bibel beim Pharao, doch nicht von einem solchen Gebet (2. Mose 4,21;7,3). In der Thora werden daraufhin die einzelnen Plagen detailliert beschrieben.
Insgesamt sind es 10 Plagen (2. Mose 7,14-25; 7,25-8,11; 8,12-15; 8,16-28; 9,1-7; 9,8-12; 9,13-35), im Koran werden sie stark zusammengefasst (Sure 3,11; 7,133-135; 8,54; 11,96-97; 17,101-102; 23,45-48; 23,36; 27,13-14; 43,48; 54,41-42; 73,16).
Die Bibel erzählt von der Einsetzung des Passahfests, dem Bestreichen der Türrahmen mit Blut (2. Mose 12,1-28) und der Tötung der Erstgeburt der Ägypter (2. Mose 12,29-51), sowie vom Fest der ungesäuerten Brote (2. Mose 13,1-16). Die Wolken- und Feuersäule (2. Mose 13,17-22) wird im Koran angedeutet als Wolken, die Schatten werfen (Sure 2,57; 7,160).
Auch die geographischen Aussagen, wo sich das Volk der Israeliten gelagert hat, werden nur andeutungsweise wiedergegeben (2. Mose 14,1-9).
In beiden Büchern wird beschrieben, wie das Volk Angst hatte, von dem Pharao erschlagen zu werden (2. Mose 14,10-14 und Sure 7,128-129; 10,84-85; 26,61,62). Das Volk wurde doch noch durch das Meer gerettet (2. Mose 14,15-22; Sure 2,50; 7,138; 10,90; 20,77; 26,63-65; 44,30-31), aber die Leute des Pharaos sind dort gestorben (2. Mose 14,23-31; Sure 2,50; 7,136; 8,54; 17,103; 20,78; 26,64-66; 28,40; 29,39; 43,55-56; 51,40; 85,17-18).
Im Koran finden wir den Hinweis, dass allein der Pharao gerettet wurde (Sure 10,90-92). Im Koran steht auch, dass der Pharao im Jenseits bestraft wird (Sure 11,98-99; 28,41-42; 40,45-46; 79,25).
In der Bibel singt Mose einen Lobgesang mit Miriam und anderen Frauen, in der Gottes Größe beschrieben wird und sein Eingreifen bei den Philistern, Moabiter und den Kanaanitern (2. Mose 15,1-21).
Muslime und Christen über die Mosegeschichte
Muslime betonen, dass Mose ein Prophet wie Mohammed war. Zum Beispiel wurden beide von ihren Zeitgenossen als Propheten ausgelacht. Beide haben ihr Volk aus der Verfolgung geführt und mit ihren Kriegern Land eingenommen.
Christen sprechen besonders über das Passahfest. Das Blut eines Lammes schützte die Häuser vor dem Todesengel, so wie das Blut von Jesus Christus, vergossen für die Schuld aller Menschen, diejenigen vor dem ewigen Tod schützt, die sich ihm anvertrauen.
Dieser Artikel erschien in Orientierung: M #spezial, Ausgabe 2|21. Er darf kopiert werden unter Angabe der Quelle „Orientierung: M e.V.“. Bitte informieren Sie uns über die Verwendung des Artikels.